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Auf dem Wülzburger Berg, knapp 200 Meter über der späteren Reichsstadt Weißenburg, stand seit dem 11. Jahrhundert die Benediktinerabtei St. Petrus und Paulus. Ihre Geschichte war eng mit der Stadt am Fuß des Berges verbunden. Die mächtigen Burggrafen von Nürnberg aus dem Hause der „Hohenzollern“, die späteren Markgrafen von Brandenburg-Ansbach und Bayreuth, eigneten sich das Kloster im Spätmittelalter an und säkularisierten es 1527. Die Wülzburg und die dazugehörigen Ländereien wurden in ein weltliches Verwaltungsamt umgewandelt. An das klösterliche Leben erinnert nur noch der sehenswerte spätgotische Grabstein des Abtes Wilhelm († 1449), der heute in der kleinen Schlosskapelle im Südflügel aufgestellt ist. |
Für die Ansbacher Markgrafen war vor allem die beherrschende Stellung dieses Berges (630,5 m) am Ortsrand ihres Herrschaftsgebiets interessant. Mit der Verbreitung der Feuerwaffen veränderte sich die Technik der Wehrbauten grundlegend. So entwickelte man um 1500 in Italien die fünfeckige Bastion, um sich lückenlos (ohne tote Winkel) verteidigen zu können. Im Laufe des 16. und 17. Jahrhunderts verbreitete sich diese neue Art des Festungsbaus in ganz Europa. Die Wülzburg war daher, trotz ihres Namensteiles „-burg“, ein für die damalige Zeit sehr modernes Bauwerk. Ihr Bau begann im Jahre 1588 und war um 1605 weitgehend fertiggestellt. Sie ist heute eine der am besten erhaltenen Renaissancefestungen im deutschen Sprachraum. Zudem ist sie seit 1907 als „Baudenkmal“ und seit 1969 als „national bedeutendes Baudenkmal“ eingestuft. |
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Markgraf Georg Friedrich d. Ä. von Brandenburg-Ansbach und Kulmbach, seit 1578 auch Herzog in Preußen, ließ anstelle des aufgelösten Klosters eine moderne Landesfestung erbauen. Vergeblich versuchten die Nachbarn (Deutscher Orden in Ellingen, Fürstbistum Eichstätt und Reichsstadt Weißenburg), den Bau durch einen Prozess vor dem Reichskammergericht zu verhindern. |
Es stellte sich sehr schnell heraus, dass eine Festung, die von feindlichen Truppen ganz einfach umgangen werden konnte, außer der prekären Situation für die nahe Reichsstadt, militärisch weitgehend ohne Wert war. Ende 1631 erreichte der berühmte kaiserliche Feldherr Graf Tilly gegen Schonung der Ansbachischen Städte die kampflose Übergabe. So blieb bis Ende des Krieges auf der Wülzburg eine rund 300 Mann starke bayerische Einheit der Katholischen Liga. Eroberungsversuche schwedischer Truppen blieben erfolglos. Auch eine Blockade von 1632 - 1634 änderte an dieser Situation nichts. Die Stadt Weißenburg und die umliegenden Dörfer hatten unter den ständigen Auseinandersetzungen zwischen der Festungsbesatzung und den schwedischen Truppen erheblich zu leiden. Der einzige große Schaden in der Festung in dieser Zeit entstand durch Unachtsamkeit: 1634 brannte das gesamte Schloss aus, „weil der Köchin das Schmalz in der Pfanne brennend geworden“. Auch dieser gewaltige Brand änderte aber nichts daran, dass die Festung bis zum Westfälischen Frieden kaiserlich besetzt blieb. |
Mit dem Friedensschluss gelangte die Festung wieder an die Markgrafschaft; sie diente als Kaserne, zur Versorgung von Invaliden und insbesondere als Staatsgefängnis. In Ungnade gefallene Persönlichkeiten wurden mit Vorliebe hier eingesperrt. In der Bastion Krebs haben sich zwei Einzelhaftzellen erhalten, die einen Einblick in den brutalen Strafvollzug des 18. und frühen 19. Jahrhunderts geben. Zu den eingekerkerten Häftlingen aus dem Umfeld des Markgrafen gehörten der Bankier Elkan Fränkel (inhaftiert 1712 – 1720), der Hofmaler Johann Carl Zierl (1718) und eine Mätresse Markgraf Karl Wilhelm Friedrichs, die hier 1742 verstarb. Nach dem kurzen preußischen Zwischenspiel (ab 1792) fiel die Wülzburg 1806, wie die gesamte Markgrafschaft Ansbach, an das neue Königreich Bayern. |
Nach umfangreichen Untersuchungen führte der neue Besitzer gründliche Renovierungen der Festungsmauern durch. Die unzureichende Wasserversorgung, die nur auf den Tiefen Brunnen angewiesen war, wurde 1827 – 1831 durch sechs moderne Zisternen, die sich in den Wallmauern bzw. im Hof befinden, ergänzt, Im ‚Deutschen Krieg’ von 1866 wurde die Wülzburg letztmals in den Kriegszustand versetzt. |
Zwischen den beiden Weltkriegen wurde auf der Wülzburg ein „Kriegererholungsheim“, eine Jugendherberge und ein Schullandheim (so auch zeitweise nach 1945) eingerichtet. |
Nach Umsiedlung der letzten rund 200 Flüchlingsbewohner im Jahre 1952 diente der südliche Schlossflügel bis 1976 als Kreisaltersheim. Das gesamte Schloss wurde sukzessiv ab 1969 zu einem Berufsbildungszentrum (Kinder- und Altenpflege sowie Förderlehrgänge für junge Menschen) im Internat umgebaut. Träger war die ev.-luth. Kommunität „Missionsdienst für Christus“. Seit Jahresende 2000 sind die bekannten „Rummelsberger Dienste für Menschen“, Schwarzenbruck, Träger der von ihnen übernommenen Einrichtungen. Aufgrund neuerer Entwicklungen haben sich die Ausbildungsschwerpunkte teilweise verändert. Seit 1970 bemüht sich die Stadt Weißenburg systematisch nicht nur um die Schlossgebäude, sondern vor allem auch darum, die Festungswerke vor dem Verfall zu bewahren. Deswegen wurde seit dieser Zeit ein zunächst noch relativ bescheidenes Sanierungsprogramm (Stadt, Freistaat und Bund waren zu je einem Drittel beteiligt) ab 1990 auf jährlich 600.000 DM gesteigert. Nach dem Ausstieg des Bundes (ab Ende 2000), einem hilfreichen zwischenzeitlichen Engagement der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, ständig zunehmenden Schäden, welche die laufenden Sanierungsmaßnahmen zu überholen begannen, wurde von der Stadt Weißenburg ab 2005 der Versuch unternommen, ein neues mehrjähriges Sanierungskonzept auf den Weg zu bringen. Dieses konnte nach komplizierten Verhandlungen und Unterstützung durch das Landesamt für Denkmalpflege, die Bayerische Landesstiftung und den Entschädigungsfonds des Freistaats Bayern im Jahre 2007 vereinbart werden. Mit diesem bisher einmaligen Programm von 2008 - 2012, der Anteil der Stadt liegt bei über 1,3 Mio. €, das Gesamtvolumen umfasst 4,4 Mio. €, soll der Verfall der Festung weitestgehend gestoppt und der langfristige Erhalt dieses einmaligen Bauwerks gesichert werden. Angestrebt wird auch eine bessere Begehbarkeit der bisher für die Öffentlichkeit nur sehr eingeschränkt zugänglichen Bastionen. Zusätzlich neben den geförderten Sanierungsmaßnahmen hat die Stadt Weißenburg in den letzten Jahren einen Besucher-Parkplatz vor dem Haupttor erstellt und vielfältige sonstige Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung der Festung (Sanierung des sogenannten Gedeckten Weges, Beschilderungen, neue Rundwanderwege um den Berg, Beleuchtung der Festung am Wochenende, Abbau des alten Gittermastes der Bahn) verwirklicht. |

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Das prachtvolle Renaissanceportal entstand um 1590 und wurde 1838 und 1999 renoviert. Es zeigte links das Wappen des Bauherren, Markgraf Georg Friedrich d. Ä. von Brandenburg-Ansbach, rechts das seiner zweiten Ehefrau Sophia von Braunschweig-Lüneburg. Bis um 1882 sicherte eine hölzerne Brücke mit zwei Zugbrücken (eine in der Grabenmitte, die zweite am Tor) den Zugang. Zwischen dem Tor und dem Schloss verlief eine dreischiffige Torhalle, auf der ein achteckiger Turm mit Laterne saß. Nach ersten Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg wurde die Torhalle nach 1182 abgerissen. |
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Im Hof liegt hinter der Burgschenke (ehemals herrschaftliche Küche und späteres Pfarrhaus) die große Zisterne Nr. VI. Sie war der krönende Abschluss des Neubaus von insgesamt sechs Regenwasserzisternen, die von 1824 - 1831 erbaut wurden. Die Zisternen sind, bis auf die letzte, alle in den Wallmauern eingebaut. Die Hofzisterne besitzt zwei große tonnengewölbte Tanks mit je 19,6 mal 7,3 Meter Grundfläche und 7,4 Meter Höhe mit über 1,3 Millionen Liter Wasser Inhalt. Das Wasser wurde früher vom Schlossdach mit Regenrinnen auf die Plattform geleitet und sickert durch Filterschichten als sauberes Trinkwasser in die Tanks. Die Zisterne war die größte im Königreich Bayern und wurde daher nach König Ludwig I. (reg. 1825 - 1848) getauft. Sein Monogramm „L“ ist auf den vier Zierbrunnen angebracht, die vier Pumpbrunnen schmücken (nachgegossene) eiserne Löwenmasken als Wasserspeier. |
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Kuppelgewölbe von über 15 Meter Durchmesser und 10 Meter Höhe, das die Pulver- und Getreidemühle der Festung aufnahm. Diese Mühle wurde mit Pferden angetrieben und gab der Bastion den Namen. Die anschließenden Gewölbe oder Kasematten dienten als Pulvermagazine, Lagerräume und (in der Bastion Krebs) auch als Gefängnisse. |
Literaturhinweise:
Gerhard Leidel: Geschichte der Benediktinerabtei Wülzburg (Mittelfränkische Studien 4), Ansbach 1983
Hartwig Neumann: Die Festung Wülzburg. Streifzüge durch Vergangenheit und Gegenwart der ehemals ansbachischen Wehranlage, 3 Auflage, Weißenburg 1987
Walter König: Flüchtlingslager Wülzburg. Ankunft und Integration der Heimatvertriebenen in Weißenburg (Weißenburger Heimatbücher 1), Weißenburg 1990
Thomas Biller: Die Wülzburg. Architekturgeschichte einer Renaissancefestung. Unter Mitarbeit von Daniel Burger, München-Berlin 1996
Daniel Burger: Die Landesfestungen der Hohenzollern in Franken und Brandenburg im Zeitalter der Renaissance (Schriftenreihe zur bayerischen Landesgeschichte 128), München 2000
Daniel Burger: Weißenburg in Bayern - Festung Wülzburg (Burgen, Schlösser und Wehrbauten in Mitteleuropa Band 10), Regensburg 2002