Kriegsverbrechen und Gewalt in der Antike
Die aktuell laufende Sonderausstellung „Freund oder Feind? Das römische Massengrab von Scupi“ behandelt einen ungeklärten Cold Case aus der Antike. Klar ist nur, dass um 300 n. Chr. mindestens 200 Männer in der römischen Koloniestadt Scupi auf dem Balkan gewaltsam zu Tode kamen und in einer Grube verscharrt wurden. Aus der römischen Zeit sind wenige solcher spektakulären und gleichzeitig grausamen Befunde bekannt. Im Limesgebiet konnte bislang nichts Vergleichbares entdeckt werden.
Im Rahmen der Sonderausstellung ordnen vier verschiedene Vorträge das Massengrab nahe der nordmazedonischen Stadt Skopje in einen größeren Kontext ein und stellen vergleichbare Funde vor.
Nach dem historischen Einblick zur „Reichskrise des dritten Jahrhunderts“ sowie die Reformen und die Bewaffnung der römischen Armee in der Spätantike durch Géza Frank findet am Dienstag, den 16. Juni um 18:30 Uhr im Kulturforum der nächste Vortrag statt. Hier wird ein Neufund präsentiert, der 2024 für Aufsehen sorgte. Im 11. Wiener Bezirk Simmering fand sich bei Bauarbeiten an einem Sportplatz völlig unerwartet ein ebenfalls römisches Massengrab. Auch bei diesem überrascht die hohe Zahl an Individuen und auch hier scheint es sich ausschließlich um männliche Opfer zu handeln. Wie bereits bei den nordmazedonischen Ausgrabungen stellt sich auch bei dem Neufund die Frage, wer die Toten waren und was ihnen zugestoßen ist. Die Wiener Stadtarchäologin Dr. Kristina Adler-Wölfl leitete die Untersuchungen und wird in ihrem Vortrag „Das römische Massengrab von Wien-Simmering im Kontext der Donaukriege Domitians“ einen Einblick in die bisherigen Ergebnisse der noch laufenden Forschungen geben.
Eine Woche später, am Mittwoch, den 24. Juni, ebenfalls um 18:30 Uhr, zeigt Dr. Christof Flügel von der Archäologischen Staatssammlung, dass das Römische Reich nicht immer Glanz und Gloria, sondern auch dunkle Seiten besaß. Sein Vortrag „Die Dunkle Seite der Macht. Kriegsverbrechen im Namen Roms“ wirft Licht auf die Schattenseiten, die mit Krieg, Gewalt und Machtdurchsetzung verbunden waren. Massenhinrichtungen, Versklavungen und Kriegsverbrechen wurden zwar nur selten dargestellt, dürften aber vor allem im Zuge der Neueroberungen von Provinzen häufiger stattgefunden haben, als es den meisten bewusst ist.
Der Abschluss der Reihe findet am 14. Juli statt. Auch hier geht es gewalttätig und vielleicht sogar apokalyptisch – zumindest für die Limesregion – weiter. Der Weißenburger Museumsleiter Simon Sulk berichtet von „Roms letzten Tagen im Altmühltal“ und überschriebt den Vortrag mit „Tatort Biriciana 254“. Der archäologische Nachweis für die Geschehnisse im Jahr 254, als die Limeskastelle und auch Zivilsiedlungen von germanischen Gruppen entlang der gesamten Strecke zerstört wurden, ist deutlich. Brandschichten, Hortfunde
und Opfer von Kämpfen und Überfällen sprechen eine deutliche und grausame Sprache. Auch der bekannte Weißenburger Schatzfund dürfte mit diesen Ereignissen in Verbindung zu bringen sein. Alle Vorträge im Kulturforum beginnen um 18:30 Uhr und sind kostenlos. Die Sonderausstellung im RömerMuseum läuft noch bis 23. August. Weitere Informationen unter www.museen-weissenburg.de.
Details:
Di., 16.06.2026, 18:30 Uhr
Dr. Kristina Adler-Wölfl, Das römische Massengrab von Wien-Simmering im Kontext der Donaukriege Domitians
Mi., 24.06.2026, 18:30 Uhr
Dr. Christof Flügel: Dunkle Seite der Macht. Kriegsverbrechen im Namen Roms
Di., 14.07.2026, 18:30 Uhr
Vortrag: Simon Sulk, Tatort Biriciana, 254. Roms letzte Tage im Altmühltal
Alle Vorträge im Kulturforum, Rosenstraße 2
Eintritt frei
Foto: Archäologische Staatssammlung, St. Friedrich
BU: Funde aus den Ausgrabungen im Kastell Weißenburg zeigen Spuren von Zerstörung und Kampfhandlungen
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