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Geschichte des Weißenburger Stadtarchivs

Spätestens mit der Ausbildung einer städtischen Selbstverwaltung in Weißenburg um die Mitte des 13. Jahrhunderts muss es in der Stadt auch ein eigenes „Archiv“ gegeben haben.

In die Archive des Mittelalters kamen allerdings nur die für die Rechtssicherung notwendigen Aufzeichnungen, also Urkunden und Amtsbuchserien, wie z.B. Sitzungsprotokolle des Rats und der Stiftungen, Rechnungsbände und Besitzverzeichnisse.
 
Betreut wurde das Archiv vom Stadtschreiber, der die Unterlagen in seiner Schreibstube verwahrte. Im Jahr 1567 wurde ein eigener Archivraum mit dem sog. „Archivturm“ an der Südseite des Gotischen Rathauses angebaut.
 
Im Jahr 1739 wurde neben dem Archiv, das nach wie vor für die Aufnahme des klassischen Archivguts (Urkunden und Amtsbücher) zuständig war, eine Registratur geschaffen, in der zentral die laufenden Akten verwahrt wurden. Zunächst wird eine Registraturstube erwähnt, später landen die Akten auf dem Rathausboden.
 
Als erster Registrator wird Johann Jakob Roth am 20. Juni 1740 vom Rat vereidigt. Aus der erhaltenen Eidesformel lassen sich auch seine Aufgaben ablesen: Er muss zumindest an jedem Ratstag in der Registratur sein, diese auch ordnen und ein „richtiges Repertorium“, also ein Aktenverzeichnis, anlegen. Eine erste Datenschutzbestimmung ist ebenfalls schon eingebaut mit dem Verbot, keinen Unbefugten einzulassen. Auch darf er ohne Wissen des Magistrats keine Abschriften anfertigen und ausgeben. Eine Aktenausleihe an die städtischen Beamten ist nur gegen Unterschrift möglich.
 
Nach der Eingliederung der ehemaligen Reichsstadt Weißenburg in das Königreich Bayern werden im Zuge der Münchner Zentralisierungsbestrebungen auch eine erhebliche Anzahl von Archivalien, darunter ein großer Teil des Urkundenbestandes, nach München gebracht (inzwischen befindet sich dieser Weißenburger Bestand im Staatsarchiv Nürnberg). Mitte des 19. Jahrhunderts waren die nicht mehr benötigten Akten aus der Registratur zusammen mit den alten Archivalien längst auf dem Dachboden des Gotischen Rathauses gelandet. Eine Benützung war nicht mehr möglich.
 
Ab 1857 erfolgt ein erster Ordnungsversuch des Archivs. Der pensionierte Stadtschreiber Petzoldt aus Schwabach hatte dazu dem Magistrat seine Dienste angeboten, die alten Akten auf dem Rathausboden zu ordnen. Im Beschluss des Magistrats heißt es dazu, dass "... die Ordnung der alten Gesamt-Registratur an und für sich schon sich als sehr wünschenswerth, in manchen Fällen aber auch bereits als ein dringendes Bedürfnis dargestellt hat". Petzold wird versuchsweise angestellt.
 
1868 berichtete Stadtschreiber Preu dem Magistrat, dass er zusammen mit seinem Gehilfen Roth „die staubigen Akten des provisorischen Magistrats und der Polizeidirektion vom Jahre 1804 an, 2417 an der Zahl, die auf dem Rathausboden umherlagen, neben vielen laufenden Geschäften in der Zeit von 6 Monaten geordnet und repertorisiert habe“.
 
1905 zog das Rentamt (Finanzamt) aus dem heutigen Verwaltungsgebäude aus, der Stadtmagistrat belegte daraufhin die hinteren Parterre-Räume mit den „auf dem Rathausboden lagernden alten Archivalien“.
 
1921 bezog das Archiv die freiwerdenden Räume der ehemaligen Polizeiwache im Erdgeschoss des Gotischen Rathauses (die Verwaltung zog in das heutige Verwaltungsgebäude um).
 
1963 wird das Stadtarchiv in das heutige Römermuseum am Martin-Luther-Platz verlegt, muss aber 1981, nach dem Schatzfund und dem Umbau des Hauses zum Römermuseum wieder weichen. Das Archiv kommt in das Ämtergebäude an der Jahnstraße.
 
Mit der Fertigstellung des Neuen Rathauses 1995 ist das Stadtarchiv zentral an der Stadtverwaltung angegliedert.

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