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500 Jahre „Weißenburger Ratsbibliothek“ 1517 - 2017

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Den Grundstein der Weißenburger Stadtbibliothek, die meist als „Ratsbibliothek“ bezeichnet
wird, weil der Rat der Stadt als oberste Verwaltungsbehörde agierte und wohl
auch hauptsächlicher Nutzer war, legte im Jahr 1517 Andreas Wurm, Doktor beider
Rechte, Kanonikus, Dechant des Kollegiatstifts St. Germanus und Mauritius in Speyer
und Pfarrer in Gunzenhausen. Er vermachte seine überwiegend aus juristischen Werken
bestehende Bibliothek seiner Heimatstadt.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts ging die Betreuung der Bibliothek von den
Kirchen- auf die Schuldiener über. Bei der engen Verflechtung von Kirche und Schule
seit dem späten Mittelalter und bei der zunehmenden Bedeutung auch der Weißenburger
Lateinschule im 16. Jahrhundert, ist dies aber nicht weiter verwunderlich. Die Oberaufsicht
über die Bibliothek behielt das mit Ratsherrn besetzte Pflegamt, das sämtliche Kirchen,
Stiftungen und Schulen der Stadt gemeinsam verwaltete.
Um die Wende zum 19. Jahrhundert begann die Stadt damit, zur Schuldentilgung
einen Teil ihrer Liegenschaften an die Bürger zu veräußern und man machte auch vor
der altehrwürdigen Ratsbibliothek nicht halt. Im Sommer 1802 verkaufte man acht Inkunabeln
an einen britischen Diplomaten am Reichstag in Regensburg. Der Rest blieb
vor Ort, bis auf einige ausgesuchte Werke, die 1807 nach Ansbach abgegeben werden
mussten. Über diesen Bestand fertigte der örtliche Schulleiter Johann Melchior Günther
im Jahr 1829 ein Verzeichnis, das für die nächsten gut hundert Jahre als Bestandskatalog
benutzt und fortgeführt wurde. Als Findmittel allerdings war Günthers Katalog ungeeignet,
weil er bei Sammelwerken stets nur das erste erfasst hat. Erst mit dem 1949 von Dr.
Friedrich Blendinger erstellten umfangreichen Verfasserkatalog ist der Bestand erschlossen.
Beim Vergleich beider Verzeichnisse zeigt sich, dass in der Zwischenzeit sowohl
eine ganze Reihe von Büchern in die Bibliothek eingereiht wurden und dass
gleichzeitig auch einige Bücher verschwunden sind. Auf einen systematischen Katalog
meinte man verzichten zu können, weil man die alte Aufstellung entsprechend den
Hauptgruppen Theologie, Medizin, Jura und Philosophie als ausrechend erachtet hat.
Seit dem Umzug der Ratsbibliothek in den Ellinger Torturm im Jahr 1977 - hier gäbe es
also ein weiteres Jubläum zu feiern - ist diese Systematik mit der gesonderten Aufstellung
von Handschriften und Inkunabeln durchbrochen. Es ist daher beabsichtigt, als Ergänzung
zu Blendingers Verfasserkatalog, den Bestand in seinem ursprünglichen
Umfang, also zum Zeitpunkt der Schließung der Bibliothek 1802, zu erfassen und
gleichzeitig die nachträglichen Ergänzungen als solche kenntlich zu machen. Die nachstehende
Übersicht über die theologische Abteilung der Ratsbibliothek ist aus aktuellem
Anlass ein erster Anfang. Es ist nämlich bezeichnend, dass die Gründung der Weißenburger
Bibliothek exakt in das Jahr fällt, in dem Luther seine Thesen an die Schlosskirche
von Wittenberg nagelte.

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500 Jahre „Weißenburger Ratsbibliothek“ 1517 - 2017 (52,2 MB)

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