Haardt

ein pappenheimisches Rodungsdorf am Stadtwald

Die Pappenheimer Rodungssiedlung Haardt (567 m ü. NN) im Südosten der Stadt mit seinen 135 Einwohnern (Stand: 31.12.2016) zählt ebenfalls seit dem 1. Mai 1978 zu den Ortsteilen Weißenburgs.

Der Ort auf der Hochfläche wurde um 1300 von den Marschällen von Pappenheim neben anderen Siedlungen im damaligen Reichswald gegründet. „Hart" bedeutet im Mittelhochdeutschen „lichter Weidewald", Haardt ist also die Siedlung „am lichten Weidewald". Von den anderen, um die Mitte des 13. Jahrhunderts planmäßig angelegten Rodungsdörfern der Pappenheimer Grafen unterscheidet sich Haardt wesentlich durch seine eher unregelmäßige Anlage als Straßendorf, was wiederum die Annahme einer späteren Gründung unterstreicht.

Die Anlage des Dorfes folgte nach einem einheitlichen Schema. Die Pappenheimer stellten als Grundherrn den notwendigen Grund und Boden zur Verfügung, der an die neuen Siedler verteilt wurde. Als finanzieller Anreiz diente den Kolonisten auch noch eine Steuerbefreiung für die ersten sieben Jahre.

Im Jahr 1408 verkauften die Pappenheimer den „Weiler zu der Hart" an den Weißenburger Finanzmakler Peter Steinberger, der ihn bereits 1414 wieder an das Kloster Wülzburg veräußerte. Diese ließen bald danach nordwestlich des Dorfes mit dem „Mönchshof" eine separate Rodung anlegen, die aber kaum zwei Jahrhunderte später schon wieder aufgegeben wurde. Von den Wülzburger Mönchen fiel Haardt in der Reformation an die Markgrafen von Ansbach.

Haardt gehörte kirchlich stets zu Suffersheim (Pfarrei Neudorf) und verfügte außer dem ehemaligen Schulhaus (jetzt Gemeindehaus) über kein öffentliches Gebäude. Das Dorf besteht heute aus zwei Teilen, dem alten Dorfbereich und einer kleinen, etwas abgesetzten Neubausiedlung.

 

Literaturhinweise:

Gotthard Kießling: Stadt Weißenburg i. Bay., Denkmäler in Bayern V.70/2, München 2001, S. 238-240;

„villa nostra" – Weißenburger Blätter 3/208, mit Beiträgen von Friedrich Eigler (Haardt – vor 600 Jahren erstmals genannt, S. 5-20) und Karl Kern („Haardter Dorfleben. Fotos aus dem Alltag in einem Weißenburger Ortsteil, S. 21-27).

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