Essbare Landschaften Weißenburg

Obstvielfalt erhalten für die kommenden Generationen!

Mit den Essbaren Landschaften zeigt Weißenburg, wie Städte ihre öffentlichen Grünräume attraktiv gestalten und einen nachhaltigen Beitrag zur Erhöhung der Artenvielfalt leisten können.

Die Erhaltung der Obstvielfalt mit der Förderung des sozialen Austausches zu verbinden - Dies ist maßgeblich für die von Sigi Tatschl aus Kirchberg am Wagram entwickelte Initiative. 

Das Grundkonzept hat Sigi Tatschl in den letzten 30 Jahren entwickelt und in dieser Zeit seine niederösterreichische Heimatgemeinde Kirchberg am Wagram in einen wahren Obst(lehr)garten verwandelt. 2020 holte Gerd Meyer, Inhaber der bekannten Weißenburger Baumschule „Botanik in Weißenburg“ Sigi Tatschl in unsere Heimatstadt. In enger Abstimmung mit dem Stadtbauamt und dem städtischen Bauhof/Gärtnerei wurden die Planungen und Vorarbeiten für die Gestaltung und Pflanzungen 2023 und 2024 getätigt. An den vorangegangenen Terminen pflanzten Bürger, Vereine, Kindergärten, Schulen aber auch Personen des öffentlichen Lebens und Umweltverbände mit viel Enthusiasmus die ersten zwei Chargen an Einheimischen und bis dato nicht heimischen, essbaren Bäumen und Sträuchern.

Auftaktpflanzung im Schanzmauergraben - Einladung zum Mitmachen

Für die erste Essbare Landschaft wurde ein Abschnitt des Schanzmauergrabens, der Schießgraben an der Südlichen Ringstraße, gewählt, der eine große attraktive Grünfläche hat, allerdings bis dahin nicht zum Verweilen in dieser einlud. In zwei gemeinschaftlichen Pflanzaktionen wurde das Gelände mit Obstbäumen und -sträuchern strukturiert, und mit kleinen Steinterrassen Sitzplätze geschaffen.

Zusätzlich zur Bepflanzung dieses Abschnitts wurden bestehende Obstbäume in angrenzenden Schanzgrabenbereichen erhoben und durch eine Beschilderung kenntlich gemacht. Schrittweise soll das Konzept ausgedehnt werden.

Beschilderung und Sorteninformation

Um die gezielte Nutzung der Früchte zu erleichtern erhielten die Obstbäume 2026 Sortenschilder, welche über die Herkunft der Sorte informieren und Anregungen zur Ernte geben.

Leitobst als Differenzierung und Besonderheit - die Maulbeere

Neben der Vielzahl verschiedener Obst-, Nuss-  und Beerensträuchern oder –bäumen wird eine Obstart hervorgehoben und in möglichst vielen Sorten präsentiert. Sie sichert der Gemeinde/Stadt ein zusätzliches Differenzierungsmerkmal. Rund um das Leitobst können Feste bzw. Veranstaltungen etabliert werden, die zu einer lokalen Tradition entwickelt werden können.

Das Weißenburger Alleinstellungsmerkmal ist hierbei die Maulbeere als „Weißenburger Leitobst“, was an die historische Bedeutung der Maulbeere in der Römerzeit sowie an die vergangene Tradition der Seidenproduktion in Weißenburg anknüpfen soll.

Weißenburg als Teil eines internationales Netzwerkes 

Die folgenden 4 Gemeinden bzw. Städte zeigen als Leuchtturmprojekte die Möglichkeiten des Konzepts Essbare Landschaft und dessen Umsetzung als Essbare Gemeinde und Essbare Stadt:

Kirchberg am Wagram in Niederösterreich als Erste Essbare Gemeinde

Oberdorf im Kanton Nidwalden als Erste Essbare Gemeinde der Schweiz

Weißenburg in Oberbayern mit den Essbaren Landschaften

Gemeinde Rasen-Antholz in Südtirol als Erstes Essbares Tal

„Essbare Landschaften – Essbare Stadt“ 

Was ist damit gemeint?

Der Begriff stammt ursprünglich aus der Permakultur., einem Konzept nachhaltiger Landwirtschaft und kultureller Entwicklung. Die „Essbare Landschaft“ , so Sigi Tatschl, spricht unsere innere Vorstellung an, dass wir viele der Pflanzen, die wir wild in der Landschaft vorfinden, essen können. Dazu gehören Kräuter, Wurzelgemüse und alle Wildobstarten. Sozusagen ein „Garten Eden“, der ohne menschliches Zutun vorhanden ist und zum Zugreifen und Verzehr einlädt. Die Essbare Landschaft steht also für eine Verknüpfung der Nutzung von Wildpflanzen und zusätzlich eingebrachten Kulturpflanzen.

Die Essbare Stadt ist ein Gestaltungsprinzip für die öffentlichen Grünräume. Für jeden Platz, ob klein oder groß, gibt es geeignete Obststräucher und -bäume, die so über die Jahre das Ortsbild in Richtung Vielfalt verändern. Neben der Blütenpracht im Frühling, den Fruchtfarben und – formen im Sommer und Herbst, tragen sie auch durch die Herbstfärbung zu einem attraktiven Lebensraum bei.

Mit der Verwendung von Obst- und Nusspflanzen ist ein nachhaltiger Effekt verbunden: Es sind langfristige Investitionen zu tätigen - Bäume brauchen teilweise Jahre bis sie zu tragen beginnen - und sie überdauern, wenn alles gut geht, viele Generationen.

Mit der städtebaulichen Gestaltung einladender Plätze ist somit auch gleichzeitig ein dringend notwendiges Sortenerhaltungsprogramm verbunden.

Zusammen mit Weißenburg in Mittelfranken, Kirchberg am Wagram in Niederösterreich mit Oberdorf im Kanton Nidwalden, als erste Essbare Gemeinde der Schweiz sowie dem Essbaren Antholzertal in Südtirol, entstehen somit verschiedene, unterschiedlich geartete Modelle für die Entwicklung und Nutzung öffentlicher Grünräume.

Zudem fördert das Projekt die derzeit viel geforderte Nachhaltigkeit und den bewussten Umgang mit Lebensmitteln und unserer Natur.

Jährliche Veranstaltungen zu Blühzeitpunkten oder Erntezeitpunkten können sich auch  im Laufe der Zeit in Weißenburg etablieren und sich zu lokalen Traditionen entwickeln bzw. zu einer touristischen Attraktion werden. 

Vergangene Vielfalt

Der französische Beamte Le Lectier veröffentlichte 1628 ein Sortenverzeichnis seines Gartens in Orleans mit 35 Apfel- und 260 Birnensorten. Johann Sigismund Elsholtz führt 1672 in seinem Gartenbuch über 800 Birnensorten an. Von dieser Vielfalt können wir heute nur träumen.

Neue Vielfalt in Öffentlichen Obstgärten

Die beteiligten Gemeinden nützen ihre öffentlichen Grünräume zur Erhaltung der Biodiversität von Obst- und Nusssorten. Öffentliche Obstgärten laden als Treffpunkte ein und fördern so den sozialen Zusammenhalt. So wie heute Schulen selbstverständlicher Teil einer Gemeinde oder Stadt sind, so sind in meiner Vision Obstgärten für Alle ein fixer Bestandteil einer zukunftsorientierten Gemeinde oder Stadt.“ Siegfried Tatschl

Obstvielfalt in den Essbaren Landschaften Weißenburg - Sortenliste

Sortenportraits

Presseberichte

Filmbeiträge

Veranstaltungen zu den essbaren Landschaften

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